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Ursachen der ungleichen Bevölkerungsverteilung in China
Was hat die gravierenden Unterschiede in der geographischen Bevölkerungsdichte bewirkt?
Und warum blieb diese Situation so lange unverändert? Die Gründe sind sowohl Umwelt- und Ressourcenbedingungen als auch Einflüsse wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen.
1. Umweltbedingungen
Obwohl die natürliche Umwelt die Reproduktion der Bevölkerung nicht mehr in dem Maße beeinflusst wie früher, ist sie doch immer noch ein wichtiger Faktor.
Einflüsse durch die geographische Struktur und topographische Formationen.
Das Tibet- und Qinghai-Hochplateau ist von einer Reihe hoher Gebirge umgeben: Im Süden bildet der Himalaya, das höchste Gebirge der Welt, die chinesische Grenze, im Norden ragen das Kunlun- und das Tianshan-Gebirge empor, im Osten erstreckt sich das Hengduan-Gebirge, das mit den Gebirgszügen Bayan Har, A'nyemaqen und Qilian das Gebiet von den übrigen Landesteilen trennt, und im Westen grenzt es an den Pamir. Im Norden des Qinghai-Tibet-Hochplateaus befinden sich der Hexi-Korridor, Ningxia, der westliche Teil der Inneren Mongolei und Xinjiang mit der Wüste Gobi, die zusammen die mit
vielen alten Legenden und Geschichten umwobenen Westgebiete bilden.
Untersuchungen haben ergeben, dass die Höhenlage mit der Zahl der Bevölkerung in umgekehrter Proportion steht. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es auf der Erde in Gebieten unter 350 Metern im Durchschnitt 28 Menschen pro Quadratkilometer, in Gebieten zwischen 350 und 750 Metern 11,5 Einwohner und in Gebieten zwischen 750 und 1250 Metern 5,3 Einwohner. Daran hat sich grundsätzlich nur wenig geändert. Der Anteil der Bevölkerung je nach Höhenlage blieb relativ stabil, auch wenn die konkreten Zahlen insgesamt gestiegen sind. Das chinesische Territorium besteht zu 33,3% aus Bergland und zu 26% aus Hochplateau, was zusammen 59,3% der Landesfläche ausmacht, die sich vor allem in den westlichen Gebieten konzentrieren. Ein entscheidender Grund, warum dieser Landesteil nur spärlich besiedelt ist.
2. Klimatische Faktoren
Es handelt sich hier zunächst um große Unterschiede in der Sonneneinstrahlung. Angaben aus dem "Jahrbuch China 2000" zufolge betrug die akkumulierte Jahreswärme auf der Nordchinesischen Ebene zwischen 4000°C-5000°C und südlich des Einzugsgebiets des Yangtze zwischen 5800°C-6000°C, während sie auf dem Qinghai- und Tibet-Hochplateau und im Nordteil von Heilongjiang nur 2000°C-2500°C betrug. Die niedrige Temperatur, die mangelnde Sonneneinstrahlung und nur kurze frostfreie Zeiten sind Faktoren, die den Ackerbau und die Produktion insgesamt beeinträchtigen. Das Ergebnis ist eine geringe Besiedlung. Außerdem spielt die Niederschlagsmenge eine wichtige Rolle. Im Nordwesten Chinas beträgt die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge nur 100 bis 200 Millimeter, im Tarim- und Qaidam-Becken sogar nur weniger als 25 Millimeter. Hier ist die Bewässerung nur durch Schmelzwasser möglich, eine schwerwiegende Einschränkung für die Besiedlung. Die trockenen und halbtrockenen Gebiete Chinas machen 53% des gesamten chinesischen Territoriums aus. Sie konzentrieren sich vor allem in den nordwestlichen Regionen und sind für die dünne Besiedlung dieses Landesteils maßgeblich verantwortlich.
3. Naturressourcen
In den nordwestlichen Regionen gibt es nur ganz wenige Ebenen, das Ackerland konzentriert sich vorwiegend im Hügel- und Bergland. Dazu kommt, dass es an Wasser mangelt. Die Felder können deshalb nur eine geringe Bevölkerung ernähren. Hingegen gibt es im Osten Chinas die Nordostchinesische Ebene und die Nordchinesische Ebene, die beiden größten Ebenen Chinas. In den Einzugsgebieten des Huaihe, des Yangtze, des Minjiang und des Zhujiang gibt es fruchtbares Schwemmland. Reiche Niederschläge und ausreichende Sonneneinstrahlung sind weitere günstige Bedingungen für den Ackerbau. So konzentriert sich hier eine große Bevölkerung. Das zentrale Gebiet zwischen Westchina und Ostchina weist deutliche Übergangsmerkmale auf: Auf den Ebenen und in den Flusstälern ist die Bevölkerung konzentriert, während das Hügel- und Bergland nur spärlich besiedelt ist. Der Faktor, dass das Ackerland oft entscheidend ist, wird hier besonders deutlich.
China hat viele Flüsse, Seen und Küstengebiete, an denen sich die Bevölkerung konzentriert. Zahlreiche große Städte befinden sich an Flüssen und Seen. Im Westen Chinas gibt es zwar große Fächen von Wäldern und Weiden, infolge des Wassermangels kann aber nicht viel Vieh gehalten werden. In den nordwestlichen Gebieten sind reiche Bodenschätze vorhanden, die infolge der unterentwickelten Wirtschaft und der mangelhaften Bedingungen zu ihrer Erschließung, bis auf wenige Ausnahmen, nicht zur Bevölkerungszunahme geführt haben.
4. Wirtschaftliche und soziale Faktoren
Die regionale Bevölkerungsverteilung ist das Ergebnis einer langen geschichtlichen Entwicklung, auf die wirtschaftliche und soziale Faktoren wesentlichen Einfluss genommen haben. Da China lange Zeit eine feudale Gesellschaft war und dann in der Neuzeit zu einer halb feudalen und halbkolonialen Gesellschaft verfiel, stellte die Landwirtschaft die Stütze der Volkswirtschaft dar. Die Bevölkerungsverteilung war deshalb in erster Linie von der Entwicklung der Landwirtschaft abhängig.
Nach der Gründung der Volksrepublik wurde 1953 der erste Fünfjahresplan in Angriff genommen. In den nordwestlichen Gebieten wurden Erdöl, Eisen und Stahl, Kohle und Buntmetalle gefördert bzw. produziert, und in manchen Regionen entstanden Industriestädte, die Menschen aus anderen Landesteilen anzogen. Der Umfang dieser Zuwanderung war jedoch begrenzt und konnte die geographische Bevölkerungsverteilung nicht von Grund auf ändern.
Mit der Entwicklung der Marktwirtschaft und mit der Strategie, die Inlandswirtschaft zu beleben und die Öffnung nach außen zu vergrößern, begannen Mitte der 80er Jahre auf dem Land überflüssig gewordene Arbeitskräfte von den nordwestlichen Gebieten in südöstliche Küstenstädte, in denen die Reform schon fortgeschritten war, zu strömen. Dieser Zustrom wurde allein aus wirtschaftlichen Interessen angetrieben. Vergleicht man die Einkommen der Bauern in den Küstengebieten mit jenen in zentralen und westlichen Gebieten, wird die Rolle der Abstoßkraft der Abwanderungsorte und der Anziehungskraft der Zuwanderungsorte klar.
Zwischen 1978 und 2000 stiegen die Einkommen der Bauernfamilien in den östlichen Küstengebieten um das 20,4fache, während sich das durchschnittliche Einkommen im ganzen Land um das 16,5fache und in den zentralen und westlichen Gebieten nur um das 13,4fache erhöhte. Die Schere zwischen den östlichen Küstengebieten und den zentralen und westlichen Gebieten hat sich also noch vergrößert. Diese Wanderung von Arbeitskräften in einem niedagewesenen Ausmaß hatte tiefgreifende und sich fortsetzende Einflüsse auf die wirtschaftliche Entwicklung sowohl in den zentralen und westlichen Gebieten als auch im Südosten des Landes.
Neben dem Stand der wirtschaftlichen Entwicklung, die die Bevölkerungsverteilung mitbestimmt, tragen die Entwicklung der Wissenschaft und Technik und die damit im Zusammenhang stehenden Ergebnisse wesentlich zur Bevölkerungsverteilung bei. Bleibt die natürliche Umwelt in den westlichen Gebieten unverändert, kann die Bevölkerung nicht nennenswert zunehmen.
Falls jedoch wissenschaftliche und technische Fortschritte bewirken, dass ein revolutionärer Wandel der natürlichen Umwelt Wirklichkeit wird, das heißt z.B. aus Wüsten Ackerland gemacht und der Wassermangel von Grund auf beseitigt wird, könnte der Traum, die ungleichmäßige Bevölkerungsteilung zu verändern, in Erfüllung gehen.
Einflüsse durch die soziale Entwicklung, vor allem die Einflüsse durch Politik, Militärwesen und die staatliche Verwaltung sind nicht zu unterschätzen. Die Tang-Dynastie (618-906) hatte ihre Hauptstadt in Chang'an (heute Xi'an , Provinz Shaanxi). Die Seidenstraße, die hier ihren Anfang nahm, war nicht nur ein Handelsweg zwischen Ost und West, sie war auch ein Weg des kulturellen Austauschs.
Dank dieses Weges erfuhren die westlichen Regionen eine Zeit der Blüte, die Bevölkerung nahm beträchtlich zu. Mit der Verlegung der Hauptstadt durch spätere Dynastien weiter nach Osten - die Nördliche Song-Dynastie (960-1127) bestimmte Kaifeng zur Hauptstadt, die Südliche Song-Dynastie (1127-1279) verlegte sie nach Lin' an (heute Hangzhou, Provinz Zhejiang) und die Yuan-Dynastie (1279-l368) nach Beijing - wurden Weichen gestellt für die Verschiebung der Bevölkerungsverteilung und für die Entwicklung bis zur heutigen Zeit.
Die Bevölkerungsverteilung ist also ein Ergebnis der Wechselwirkungen von natürlichen sowie sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, wobei die Naturbedingungen der ausschlaggende Faktor sind, während die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse die Rolle eines Regulators spielen, eines Regulators zwischen den Naturbedingungen und der Reproduktion der Bevölkerung.
Haben die wirtschaftliche Entwicklung und die technischen Fortschritte einen gewissen Umfang erreicht, können die Naturbedingungen neu gestaltet werden, um eine für die menschliche Existenz günstige Umgebung zu schaffen, oder es wird Kapital in die Erschließung der Naturressourcen investiert, um eine neue Bevölkerungsverteilung in die Wege zu leiten.
























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