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Das Rot des Volkes
Kaiser und Adel liebten die rote Farbe und verboten dem Volk, Rot zu verwenden.
All das hat dazu beigetragen, dass die Menschen eine Vorliebe für die Farbe Rot entwickelt haben. Das Verbot konnte nur mit Gewalt durchgesetzt werden. Sobald diese nachließ, war die Farbe Rot, Symbol für Leben und Kraft, welches das Böse fernhält und Segen und Glück bringt, im Leben des Volkes allgegenwärtig.
Nimmt man heute in China an einer traditionellen Hochzeit teil oder feiert das Frühlingsfest, stellt man schnell fest, dass man von Rot umhüllt ist. Die lachenden Gesichter und warmen Glückwünsche sind auch rötlich gefärbt. Die explodierenden Knallfrösche schleudern rote Papierfetzen in die Luft, rote Spruchpaare hängen an der Tür, rote Laternen, rote Kleider ...
Über traditionelle Hochzeit und Feiertage gibt es viel zu erzählen. Die Sitten und Gebräuche hierfür haben sich über 5000 Jahre entwickelt. Die traditionelle Hochzeit und Feiertage, bei denen die rote Farbe vorherrscht, sind in manchen Dörfern bis heute üblich. In modernen Städten befindet sich die rote Farbe wieder im Aufwind: selbst bei einer Hochzeit im europäischen Stil mangelt es nicht an Rot.
Überlieferungen von chinesischen Hochzeitsritualen zwischen Brautpaaren höher gestellter chinesischer Gesellschaft zeigt folgenden Ablauf:
Die Braut wird geschminkt. Ihre Wangen und Lippen sind rot, und sie trägt ein rotes Kleid, das mit 100 Schmetterlingen verziert ist. Ihr Kopf ist mit einem roten Tuch bedeckt, das der Bräutigam erst in der Hochzeitsnacht entfernt. In den vergangenen tausenden Jahren Geschichte war es üblich, dass sich die Eheleute vor der Hochzeit gar nicht kannten.
Die Braut wird in einer roten Sänfte zur Familie des Bräutigams getragen, im Volksmund Blumensänfte genannt. Musiker haben mit roten Seidentüchern geschmückte Instrumente in den Händen. Die wichtigsten Musikinstrumente sind Trommeln und Trompeten. Die Trommeln sind rot. Nach dem Volksglauben sollen sie böse Geister abweisen. Die Entourage der Braut ist prächtig in Rot und Grün gekleidet. Acht dunkelrote Lampions bezeugen den Ruhm der Familie des Bräutigams. Die Anzahl der Lampions gibt den sozialen Status einer Familie an.
Drei bis vier Straßen vor dem Haus des Bräutigams sieht man bereits rote Lampions, auf denen alle Amtstitel der Familienmit-glieder von Braut und Bräutigam aufgeschrieben sind. Die Sänfte, von Lichtern der Lampions hell beleuchtet, wird vor dem Tor des großen Hauses des Bräutigams abgesetzt. Der Vorhang der Sänfte öffnet sich langsam, ein kleiner Fuß tastet sich vorsichtig aus der Sänfte, der erste wichtige Eindruck der Braut auf das Publikum. Wenn der Schuh kleiner als drei Zoll misst, rühmt sie das Publikum; wenn der Fuß über sechs Zoll lang ist, verliert der Bräutigam das Gesicht. Zeitlebens wird er verhöhnt, dass er eine dumme Gans zur Frau genommen hat.
Die Brautjungfer, ein rotes Seidentuch über den Schultern, stützt die Braut und führt sie auf einem roten Teppich zum Eingangstor. In manchen Orten muss die Braut über offenes Feuer gehen. Die Braut sieht kaum etwas, weil ihr Blick durch ein rotes Tuch verhangen ist. Um Scham zu zeigen, senkt sie ein wenig ihren Kopf. Sie setzt einen Fuß vor den anderen in ganz kleinen distinguierten Schritten, so dass sich das rote Tuch auf ihrem Kopf leicht bewegt. Das Publikum versucht aus ihrem anmutigen Verhalten auf ihr Aussehen zu schließen. Die Brautjungfer übergibt die Braut dem Bräutigam, der über dem roten Anzug ein rotes Seidentuch trägt. Auf seinem Hut steckt eine rote Blume. Braut und Bräutigam gehen nicht Schulter an Schulter, sondern der Bräutigam führt die Braut mit einem roten seidenen Band.
Da China schon immer ein Land mit vielen Ritualen war, gibt es auch zur chinesischen Hochzeit eine alte Überlieferung:
Man glaubt. dass die Ehe von einem sehr alten Mann verwaltet wird. der Yue Lao „Mondalter" heißt. Er stellt in seinem Paradies von allen Erwachsenen, die heiraten können, kleine Tonfiguren her. Dann wählt er eine männliche und eine weibliche Figur aus und bindet ihre Füße mit einem roten seidenen Faden zusammen. Auf der Erde werden diese beiden dann bestimmt heiraten, egal, welche Hindernisse ihnen im Wege stehen sollten.
Das rote seidene Band zeigt einerseits, dass die Ehe der Weisung des Mondalten folgte, und bringt andererseits die Glückwünsche aller zum Ausdruck, dass diese Ehe untrennbar sei. Von alters her war man überzeugt, dass die Ehe eine Fügung des Schicksals ist. Die meisten folgten blindlings dem Befehl der Eltern.
Das Haus des Bräutigams ist in Rot geschmückt. An Dächern hängen rote Lampions, Fenster, Türen, Geländer und Möbel sind ebenfalls rot. Die unterschiedlichen Kuchen sind mit einem roten Punkt in der Mitte versehen. Das Brautzimmer ist ein rotes Meer: rote Doppelglückszeichen, rote Kerzen, rote Möbel, rote Vorhänge, rotes Bettzeug ...
Chinesen legen wie andere Völker großen Wert auf die Hochzeit.
Auch aus dem Buch „Riten“ (Yi Li), eines der ältesten Ritualbücher Chinas und vor etwa 3.000 Jahren verfasst , ist zur Hochzeit folgendes Ritual überliefert:
Eine Braut aus der Oberschicht soll eine schwarze Seidenjacke tragen, die hellrot gesäumt ist.
Die Vorliebe des Volkes für Rot kommt einerseits aus dem Rot-Verbot, dass dazu führte, dass Rot die Farbe besonderer familiärer Feierlichkeiten oder Jahrestage wurde.
In der Qing-Dynastie gab es die Hochzeit ganz in Rot, der "rote Glücksfall" wurde sie genannt. Dieser Name ist bis heute erhalten.
In der heutigen Zeit wählen manche Bräute weiße europäische Brautkleider, doch die überwiegende Mehrzahl der Bräute, und vor allem in den ländlichen Gebieten, wird die rote chinesische Qipaos als Hochzeitskleid vorgezogen. Der Bräutigam steckt eine rote Blume in die Brusttasche seines Anzugs. Statt Lampions sind große rote Doppelglückszeichen zu sehen. Die rote Sänfte wird durch eine Kolonne von Autos ersetzt, deren Fenster rote Ballons verzieren. Das Geldgeschenk wird immer noch in einem roten Umschlag überreicht - im wahrsten Sinne des Wortes ein "roter Glücksfall" .
Auch beim Frühlingsfest, dem chinesischen Neujahr, ein bedeutendes familiäres Fest für Chinesen, ist die Farbe rot vorherrschend.
Beim Frühlingsfest sieht man heute auf dem Lande immer noch folgende Szenen: rote Feuerwerkskörper werden abgebrannt; vor dem Eingangstor hängen hoch oben zwei rote Lampions; zu beiden Seiten des Tores ein rotes Neujahrsspruchpaar, das ein glückliches Leben und den Frühling besingt; an den Türflügeln kleben zwei große rote Glückszeichen; im Hof hängen bodenlange rote Paprikaketten; in den Zimmern rote China-Knoten; in Nordchina klebt man gern rote Scherenschnitte an die Fenster, eine eindrucksvolle Kunstart. Kinder bekommen von ihren Eltern und Großeltern Geldgeschenke in einem roten Umschlag.
Traditionsbewusste Menschen pflegen rote Kleidung zu tragen, um Segen und Stimmung zu verbreiten. Die rote Farbe heißt hier "feuriges Leben".
Seit langem gibt es für das Frühlingsfest viele Möglichkeiten, Rot zu verwenden. Vor dem Ende der Kaiserzeit entwickelte und vervollständigte man die Tradition der roten Farbe. Die Menschen glaubten anfangs, mit Rot eine feierliche Stimmung zu schaffen oder sogar Dämonen zu vertreiben. Die Chinesen denken dabei heute sehr pragmatisch: Wenn die Dämonen vertrieben sind, gibt es natürlich festliche Stimmung.
Was die Verwendung der roten Farbe bei anderen Festtagen betrifft, so liegt das Ziel in erster Linie darin, Dämonen zu vertreiben, wie z. B. der rote Faden am Handgelenk beim Drachenbootfest (der fünfte Tag des fünften Monats nach dem Mondkalender). An diesem Tag pflegt man noch Beifuß an die Tür zu hängen und Branntwein mit Realgarpulver zu trinken. Das alles hält Böses fern, glaubt man.
Wenn ein Baum nicht saisonmäßig Blüten trägt oder in einem Haus unerklärliche Geräusche vernommen werden, bringt man im alltäglichen Leben überall rote Fäden an, in dem Glauben, damit das Böse, das die Veränderungen hervorgerufen hat, zu vertreiben.
Kleine Kinder bekommen rote Hüte, ziehen sich rote Hemden und Schuhe mit rot -goldgelbem Tigerkopf an und binden sich rote Fäden an die Handgelenke. Sie schlafen sogar in roten Windeln oder unter roten Bettdecken. Auf diese Weise können böse Geister Kindern keinen Schaden zufügen: sie werden in Sicherheit gesund aufwachsen. Es gibt überall Lausbuben, die Eltern Kopfschmerzen bereiten. Kinder in Rot werden nicht von bösen Geistern heimgesucht, das ist schon klar. Doch manchmal haben solche Kinder selbst die Idee, anderen Menschen und sogar bösen Geistern üble Streiche zu spielen.
Wenn man Geschichten über solche Kinder sucht, wird man in zwei bekannten chinesischen Dämonenromanen „Die Vergöttlichung der Helden“ und „Die Reise nach Westen“ fündig.
In „Die Vergöttlichung der Helden“ heißt der Junge Nezha. Sein Gesicht ist weiß wie Schnee, an seinem rechten Handgelenk ist ein goldener Armreif, um seine Brust trägt er ein Leibchen aus feiner roter Seide, seine Augen strahlen goldenes Licht aus. Von einem Unsterblichen lernte er den Umgang mit Waffen. Noch dazu ist er ein Draufgänger. Es ist unvermeidlich, dass er seinen Eltern viele Schwierigkeiten bereitet. Um ihn zu bändigen, schenkt eine Gottheit Li Jing, Nezhas Vater, eine Pagode. Wenn Nezha frech wird, wird er in die Pagode eingesperrt, damit er im Dunkeln seine Schuld bereut. Im heutigen China nennt man Lausbuben immer noch Nezha.
Ein anderer Lausbub ist der kleine Junge „Rotes Kind“ aus dem Roman „Die Reise nach Westen“. Es trägt ebenfalls ein rotes Leibchen und hält eine Lanze mit roten Fransen in Händen. Ein typischer Lausbub. Das Rote Kind ist Meister der Waffenkunst. Sogar Sun Wukong, der dem Himmel ebenbürtige Affenkönig, ist unfähig es zu bezwingen. Schließlich muss die Göttin der Barmherzigkeit einschreiten. In China verehrt man in einigen Regionen die Göttin der Barmherzigkeit, die den Menschen die Kinder schenkt und auch Verantwortung für sie trägt.
Neben Kindern tragen auch Erwachsene im Jahr ihres jeweiligen Tierzeichens rote Kleider, um böse Geister zu vertreiben. Man glaubt, dass das Jahr des eigenen Tierzeichens eine Schwelle des Lebens darstellt, die zu überwinden ist. Ferner häuft sich in diesem Jahr auch Negatives. Auch für einen Mann mit starker positiver Energie ist es notwendig, rote Farbe zu Hilfe zu nehmen. Daran glauben auch heute noch viele Menschen. Doch die rote Farbe ist jetzt meist verdeckt: Socken, Gürtel, Unterhose und -hemd sowie Geldtaschen.
Ferner werden nach dem Prinzip "Gift gegen Gift" auf rote Westen Bilder der fünf sogenannten giftigen Tiere - Kröte, Schlange, Skorpion, Hundertfüßer und Gecko - handgenäht, da diese die Kraft besitzen sollen, Böses fernzuhalten. Diese Westen sind aus grobem rotem ungemustertem Stoff genäht und in der Mitte mit chinesischen Stoffknöpfen versehen.
Aus Vorliebe trägt man nicht nur im Jahr des eigenen Tierzeichens rote Kleidung und roten Schmuck. In der Tat ist Rot die beliebteste Farbe der Chinesen, was in der traditionellen Kultur ihre Wurzeln hat. Man liebt rote Stoffe, um damit Vorhänge, Bettzeug, Moskitonetze, Kopfkissen und Taschentücher herzustellen.
Mehr und mehr liebt man auch rote Blumen und Tiere z. B. rote Winterblüten, rote Päonien, rote Zwergäpfel und rote Karpfen. Chinesische Maler und Kalligrafiker bezeugen ihren den künstlerischen Einsatz mit mehreren roten Stempelabdrücken.
Der in China weit verbreitete Buddhismus betrachtet das Diesseits als "Roten Staub". Und die Holzfische. die in den Tempeln Tag und Nacht von den Mönchen geschlagen werden, um die Sterblichen vor Verführungen durch den "roten Staub" zu warnen, sind auch rot gestrichen.
Dies trifft genau die Vorliebe der Chinesen für Rot. Mit der roten Farbe verbindet man möglichen Genuss auf Erden sowie Karriere und Reichtum. Deshalb nennt man, egal ob heute oder im Altertum, Vertraute von Machthabern "rote Personen". Menschen mit viel Glück haben "rotes Glück". Besonders beliebten Schauspieler nennt man "rote Stars" oder "rote Rollen". Ein glückliches Leben wird als "feuerrotes Leben" bezeichnet.































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