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Das Rot der Liebe
Liebe ist für Frauen durch die Farben Rot, Zartrosa und Dunkelrot vertreten.
In dem Buch „Wie Farben wirken“ von Eva Heller berichtet die Autorin von einer groß angelegten anonymen Umfrage, bei welcher an etwa 200 Begriffen die Gefühle und Eigenschaften in Verbindung mit Farben verknüpft werden. Daraus hat sich folgendes ergeben:
Liebe ist für Frauen durch die Farben Rot, Zartrosa und Dunkelrot vertreten. Zwar ist es nicht mehr möglich, eine solche Umfrage bei Chinesen der Kaiserzeit durchzuführen, doch durch die Gedichte, Bücher und Bilder aus dieser Zeit scheint klar, dass die Antwort auf die Frage "Welche Farbe steht für Liebe" im damaligen China auch Rot war.
In der Kaiserzeit arbeiteten Studierende hart, um sich die Beamtenlaufbahn zu erschließen. Sie lasen häufig die ganze Nacht durch. Wenn sie müde waren, hängten sie ihre Haare am Dachbalken fest oder stachen sich mit einer Ahle in die Beine. Auf diese Weise verhinderten sie, dass sie einschliefen.
Es gab auch welche, die träumten, dass Gedichte wahr wurden. "Ich lese in der Nacht und rieche den Duft von roten Ärmeln". Dabei hofften sie, von einem schönen Mädchen in Rot beim Lesen begleitet zu werden, das den Schlaf verjagte.
Die oben erwähnten "roten Ärmel" beziehen sich in Versen auf eine Frau. In Romanen und Gedichten sind schöne Frauen meist rot gekleidet. Ihre Wangen, Lippen und Nägel sind ebenfalls rot. Sie benutzen rote Taschentücher, schlafen in einem roten Netz mit rotem Kopfkissen, das von ihren Salben und Ölen duftet. Daher nennt man es Duftkissen. Das Gewebe für die Fliegenfenster ist scharlachrot. Es wurde mit Wurzeln der Ackerröte gefärbt und heißt auch Ackerröte - Rot. Frauen aus Adelsfamilien wohnten in roten Gebäuden. Schöne einfühlsame Frauen wurden von Gelehrten "Rot-Vertraute" genannt. "Rote Kleidung" und "Roter Puder" sind ebenso ehrenhafte Bezeichnungen für gebildete Frauen. Wenn eine Frau fremdgeht, heißt es "Rote Aprikosen wachsen über die Mauer hinaus".
Im chinesischen Altertum drückten die jungen Mädchen häufig mit roten Gegenständen ihre Liebe und Liebessehnsucht aus. Zum Beispiel wurde eine rote Geldbörse vom Mädchen selbst aufs Feinste bestickt und dann persönlich ihrem Geliebten übergeben. Der Mann musste die Geldbörse an der Hüfte tragen, als Zeichen, dass er bereits vergeben war.
Der Geliebte steckte Geld und andere kleine Erinnerungsstücke in die Geldbörse. Auch wenn er das Mädchen nicht vermisste, erinnerte ihn die Geldbörse jedes Mal an das Mädchen, wenn er bezahlte.
Für traditionelle chinesische Mädchen, die zu schüchtern waren, ihre Liebe offen zu gestehen, hatte das Geschenk einer Geldbörse besondere Bedeutung; es war eine ernste Sache, sowohl für die Schenkende wie auch für den Beschenkten. Der Empfänger sollte die Geldbörse auffällig tragen, damit das Mädchen keinen Grund zu zweifeln hätte.
Interessanterweise vergab auch der Kaiser manchmal Geldbörsen, um seine Zuneigung zu bekunden. In der Qing- Dynastie führte man dem Kaiser ausgesuchte Frauen vor, die als Konkubinen in Frage kamen. Wenn dem Kaiser eine Frau gefiel, band er ihr eine Geldbörse um die Hüften. Aber nur diejenigen, die zusätzlich noch ein kostbares Geschenk vom Kaiser bekamen, wurden schließlich als Konkubinen ausgewählt: sie würden Gelegenheit haben, für den Kaiser einen "Sohn des Drachen" zur Welt zu bringen.
In gern erzählten Liebesgeschichten spielt auch ein rotes Taschentuch eine wichtige Rolle. Eine Geschichte über Gelehrte und schöne Frauen beginnt oft damit, dass eine Schönheit mit Absicht ihr rotes Taschentuch verliert, das von einem Studierten "zufällig" gefunden wird. Die Komödie endet mit der Szene, dass eine Hochzeit mit roten Kerzen stattfindet. Dichter erwähnen oft das rote Taschentuch als klassischen Liebesbeweis.
Rote Gegenstände als Liebesgeschenke zu vergeben, ist in China eine Tradition. „Im Buch der Lieder“, der ältesten erhaltenen Gedichte - Sammlung Chinas, findet man ein Gedicht mit dem Titel „Tugendsames Mädchen“. Das bescheidene Mädchen schenkt ihrem Geliebten einen roten Schreibpinsel. „Wandernde Seele einer attraktiven Frau“ handelt von einer Frau, die vor großen Entfernungen nicht zurückschreckt, um sich mit ihrem Geliebten zu treffen. Eine andere Geschichte „Der Päonienpavillon“ handelt von einer Frau, die im Traum einen Mann kennen lernt, ihn dann sucht und schließlich für ihn ihr Leben opfert. In beiden Fällen hat die rote Farbe symbolische Bedeutung.
Wenn Geliebte sich nacheinander sehnen, können sie sich rote Blätter oder Ormosia (Paternostererbsen) zuschicken. Zu den roten Blättern gibt es eine bewegende Geschichte. Die Geschichtssammlung „Freunde in Yunxi erzählen“ von Fan Shu aus der Tang Dynastie berichtet:
Während der Regierungsperiode Xuanzong (846-859) der Tang-Dynastie kam ein Gelehrter namens Lu Wo zur kaiserlichen Beamtenprüfung. Einmal ging er an einem Kanal, der aus dem Kaiserpalast hinausfloss, entlang. Im Wasser schwamm ein rotes Laubblatt, auf dem folgendes Gedicht geschrieben stand:
Warum fließt das Wasser so rasch?
Tief im Palast sind die Tage still.
Dank dem roten Blatt als Boten,
der meinen Brief nach außen bringt.
Später ließ der Kaiser Xuanzong einige Hofdamen frei. Sie durften Beamte heiraten. Lu Wo, der schon seine Beamtenlaufbahn begonnen hatte, bekam auch eine Hofdame zur Frau. Ausgerechnet diese Hofdame war es, die das Gedicht auf das rote Laubblatt geschrieben hatte. Ein Gedicht auf einem roten Laubblatt führte zu einer unübertroffenen romantischen Ehe. Im alten China wurden junge Frauen, insbesondere adlige Frauen und Hofdamen, in ihren Zimmern eingesperrt und durften sich höchstens in den hinteren Gärten begeben. Ihnen war es nicht möglich, selbst nach der großen Liebe zu suchen. Es gab auch keinen Boten, der ihre Nachrichten nach außen getragen hätte. Für eine kluge Frau aber war es denkbar, eine Nachricht mit einem schwimmenden roten Blatt hinauszuschicken.
Ein Gedicht auf einem roten statt auf einem grünen Blatt birgt eine Liebesgeschichte. Rot drückt Liebessehnsucht aus, verleiht Willen und Kraft, während Grün Sorgen und Trauer versinnbildlicht. Eine Verszeile fasst den Unterschied zwischen den beiden Farben zusammen: Rot ist Liebessehnsucht, Grün bedeutet Kummer.
Chinesische Dichter sind romantisch. Nachdem sie die Geschichte über das Gedicht auf dem roten Laubblatt gelesen hatten, suchten sie selbst immer nach roten Blättern, in der Hoffnung, auch einen wunderbaren Ehepartner zu finden.
Die Ormosia wächst im Süden,
Wie viel Triebe gibt es im Lenz?
Pflückt soviel Ihr könnt,
Und denkt an mich, wenn ihr sie anschaut.
Dieses Gedicht von dem großen Tang-Dichter Wang Wei (701-761) heißt Liebessehnsucht. Es ist in China als eines der großen Meisterwerke der Dichtung bekannt.
Über die Ormosia ist eine rührende Tragödie überliefert. Nach einer Volkssage wurde die Ormosia vom Blut einer jungen Frau bewässert. Ihr Mann starb als Grenzsoldat im Krieg. Als sie die Nachricht seines Todes erhielt, weinte sie bitterlich am Baum vor ihrem Haus. Als ihre Tränen versiegten, floss aus ihren Augen Blut, das die Wurzeln des Baums rot färbte. Danach trug der Baum rote Früchte, die wie Bohnen aussehen.
Es ist ganz klar, dass Frauen nicht nur gerne rote Kleidung tragen und sich rot schminken. Auch ihre Liebesbeweise sind meist rot. Rot steht für ihre Gefühle und Leidenschaft. Das Rot gilt als ein Symbol der Frauen.

























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