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Lugu-See
Am Lugu-See lebt das Volk der Mosuo, eine matriarchalische Gesellschaft
Der Lugu-See (chinesisch: 泸沽湖) liegt ca. 200 Kilometer entfernt von der Stadt Lijiang (chinesisch: 丽江). Er ruht wie ein klarer Saphir inmitten der Berge, auf einem Hochland im Nordwesten Yunnans (chinesisch: 云南). In der Gegend rund um den Lugu-See leben die Mosuo (chinesisch: 摩梭), ein Volk mit einer matriarchalischen Gesellschaftsstruktur. Sie pflegen eine eigene Form der Ehe, und ihre Sitten und Gebräuchen unterscheiden sich stark von denen anderer Völker. In China nennt man ihr Wohngebiet das geheimnisvolle Frauenland im Osten.
Über den Lugu-See erzählt man sich eine alte Volkssage: Die Göttin Gemu war ein kluges und sehr schönes Mädchen und wurde nicht nur von vielen Berggöttern ihrer Heimat umworben, sondern auch von fernen Berggöttern. Einmal kam ein Berggott aus der Ferne zu ihr, als sie gerade mit einem Berggott ihrer Heimat verabredet war. Darüber war der fremde Berggott sehr erzürnt und wendete sein Pferd so heftig, daß dieses dreimal wieherte. Als Gemu das Wiehern hörte, sprang sie auf und lief dem Berggott nach. Doch er war zu schnell. Sie fand nur noch den tiefen Hufabdruck seines Pferdes in der Erde. Sie blieb stehen und begann bitterlich zu weinen, bis ihre Tränen den Hufabdruck ganz angefüllt hatten. Der Berggott hörte das Schluchzen, wandte sich um und warf liebevoll Perlen und Blumen in den Tränensee. Die Perlen wurden zu kleinen Inseln, die Blumen, Azaleen, trieben ans Ufer, wo sie immer noch jedes Jahr blühen. So entstand der Sage nach dieser idyllische See mitten in den Bergen.
Der Lugu-See bedeckt eine Fläche von ca. 50 Quadratkilometern und ist durchschnittlich ca. 45 Meter tief, und er ist tatsächlich wie ein Hufeisen geformt. An vier Seiten ist er von Bergen umgeben, und je nach Tageszeit ändert sich auch die Stimmung. Seine geschwungene Uferlinie hat viele Strande, an denen man verweilen kann.
Um diesen See herum lebt das Volk der Mosuo, eine matriarchalische Gesellschaft, die einzige in China. Ihre Besonderheit ist die "Azhu"-Ehe. "Azhu" bedeutet in der Sprache der Mosuo "inniges Pärchen". Mann und Frau gehen kein lebenslanges Bündnis ein, sondern sie sind nur ein inniges Liebespaar, haben keine feste Beziehung und keinen gemeinsamen Besitz, Lebensbereich oder berufliche Verbindung. Heute sind drei Formen der Ehe bei den Mosuo gebräuchlich.
Azhu, eine Besuchs-Ehe
Diese Azhu bedeutet, Mann und Frau schließen keinen Ehebund im herkömmlichen Sinn, und sie leben auch nicht zusammen, sondern jeder lebt die ganze Zeit bei der Mutter. Der Mann verbringt die Nacht bei der Frau und verläßt diese am Morgen wieder. Die Kinder, die aus dieser Verbindung hervorgehen, gehören zur Familie der Frau und leben bei ihr. Der Vater besucht seine Kinder und ist verpflichtet, für ihren Unterhalt zu sorgen. Er nimmt regen Anteil an ihrer Entwicklung, und sie besuchen ihn an Festtagen.
Azhu, eine Lebensgemeinschaft
Bei dieser Form der Ehe lebt das Paar zusammen, entweder bei der Mutter des Mannes oder bei der der Frau. Gemeinsam kümmern sie sich um die Kinder und teilen sich die Feld- und Hausarbeit. Auch diese eheähnliche Gemeinschaft muß nicht ein Leben lang dauern, sie besteht allein auf einer freiwilligen Bindung. Gehen die Partner auseinander, kehren sie wieder zu ihrer Mutter zurück. Die Kinder können bei dem Mann oder der Frau bleiben.
Azhu, das Ehebündnis
20% der Mosuo gehen eine Ehe in unserem Sinn ein. Diese Tradition geht auf die Zeiten Dschingis Khans zurück, dessen Truppen und Beamte den Lamaismus einführten und die Sitte der monogamen Ehe. Ihre Nachkommen behielten diese Sitte bei, und andere benachbarte Gegenden schlössen sich an. Bei den Mosuo genießen die Mütter einen hohen sozialen Status, und ihnen wird allgemein Respekt entgegengebracht.


























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