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Frühlingsfest am kaiserlichen Hof
Die Kaiser der Ming und Qing schenkten dem Frühlingsfest große Beachtung.
Es wurde noch höher geschätzt, als das beim einfachen Volk üblich war; ein verschwenderischer Aufwand wurde bei der Zeremonie betrieben.
Zur Zeit der Ming-Dynastie gab es am l. Tag des ersten Monats am Hof eine spezielle Zeremonie der Neujahrsgratulation. Am Tag zuvor wurde im „Palast der Himmelsverehrung" ein kaiserlicher Thron errichtet. Am Neujahrstag, wenn die Sonne gerade aufging, stellte sich die kaiserliche Ehrengarde zu beiden Seiten des Weges, den der Kaiser gehen würde, auf. Das Tor der Himmelsverehrung war mit Fahnen geschmückt. Von den Stufen am Eingang bis zum Mittagstor standen links und rechts Palastbeamte. Die Trommel wurde dreimal geschlagen, dann stieg der Kaiser in prachtvollen Gewändern zu dem Thron hinauf und wurde von den Beamten dem Ritual entsprechend begrüßt. Einer der Palastbeamten verlas stellvertretend für alle die Gratulation, die voll lobender und anerkennender Worte für den Kaiser sein musste, beispielweise: „Ich, (Name), Beamter für (Funktion, Rang), preise den ersten Morgen. Der Frühling löst den Winter ab, die Welt wird erneuert. Ich, Ihr Untergebener, grüße Eure Majestät. Möge gemäß dem Willen des Himmels eine immerwährende Blütezeit herrschen." Der Kaiser antwortete: „Zum Fest des neuen Anfangs wünschen wir Alles Gute zum neuen Jahr." Der Beamte, der die Zeremonie leitete, rief: „Ehrt die Insignien!" (er hielt dabei mit beiden Händen Tafeln mit den Insignien der Dynastie hoch), „Verbeugung", „Es lebe der Kaiser!". Die Zivil- und Militärbeamten legten die Hände zum Gruß zusammen und riefen: „Lang lebe der Kaiser!" Danach riefen auch alle Offiziere und Soldaten dreimal „Lang lebe der Kaiser!" In diesem Moment begann ein Orchester zu spielen, und man brannte Bambusknallkörper ab. Danach zog sich der Kaiser wieder in den Palast zurück, auch die Beamten des Hofes verließen nach Beendigung der Zeremonie die Halle. Manchmal fand abends noch ein Festessen statt.
In der Qing-Zeit fand am Silvesterabend ein Festmahl im Bao-hedian (Halle zur Erhaltung der Harmonie) statt. Daran nahmen hauptsächlich Führer nationaler Minderheiten und Gesandte abhängiger Staaten teil, außerdem Beamte des ersten und zweiten Ranges. In zwei Reihen waren 90 Tische mit Essen und Getränken aufgestellt. Die Sitze waren mit Palmfaserteppichen ausgelegt, auf diesen lagen noch Filzteppiche. An einem Tischchen saßen jeweils zwei Personen mit gekreuzten Beinen auf dem Boden.
Die Teilnehmer des Banketts kamen dem Rang entsprechend in die Halle und gingen zu ihren Plätzen. Nachdem der Kaiser auf seinem Thron Platz genommen hatte, musste sich die Anwesenden verneigen, bevor sie sich setzen durften. Der Kaiser nahm zuerst einen Schluck Wein zu sich, danach war es auch allen anderen erlaubt, zu trinken. Dann wurde das Musikstück „Ewiger Friede auf Erden" gespielt, und der Kaiser und alle Anwesenden begannen zu essen. Xachdem das Musikstück zu Ende war, begann ein Programm mit verschiedenen Aufführungen, es gab Flötenspieler aus der Mongolei und auch tibetische und uigurische Musikanten. Ein Tanz wurde von einer Gruppe aus etwa 10 Tänzern, die hohe Beamte und kaiserliche Leibgardisten waren, ausgeführt. Sie traten jeweils zu zweit auf, einer begann auf mandschurisch zu singen, ein anderer schlug mit Essstäbchen den Takt. Danach folgten weitere Aufführungen außerhalb der Halle: es gab einen Tanz, aufgeführt von Soldaten der mandschurischen Acht-Banner-Armeen; sie kamen in voller Rüstung und mit Waffen, auf dem Rücken die Fahne in den jeweiligen Farben des Banners, sie boten Reiterspiele, liefen auf Stelzen und führten Kampfszenen mit als Bären oder Tiger Verkleideten auf. Außerdem gab es noch Aufführungen von Minderheiten aus Xinjiang und Sichuan. Den letzten Programmpunkt bildete der Löwentanz. Danach erhob sich der Kaiser und zog sich zurück. Die Beamten standen ebenfalls auf und verneigten sich, sie durften übriggebliebenes Essen von ihren Tischen mitnehmen. Danach durften auch die Bediensteten Kuchen, Obst u. a. von den Tischen mit nach Hause nehmen, „Bankettplündern" wurde diese Sitte im Volksmund genannt. Die Neujahrszeremonie war damit beendet.
























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