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Die Naxi
Die Naxi-Gesellschaft ist noch heute von Matrilinearität geprägt.
Ursprünglich ein Stamm des altertümlichen Qiang-Volkes, lebten die Naxi (chinesisch: 纳西族) früher im Südwesten der Provinz Sichuan (chinesisch: 四川) und Nordwesten der Provinz Yunnan (chinesisch: 云南). Heute leben die 300.000 NaxiAngehörigen (chinesisch: 纳西族) hauptsächlich in dem Autonomen Kreis Lijiang (chinesisch: 丽江) der Naxi der Provinz Yunnan (chinesisch: 云南).
Die Naxi-Gesellschaft ist noch heute von Matrilinearität geprägt. In der Familie herrscht das Matriarchat und die älteste Frau entscheidet über die Arbeit, den Alltag und auch religiöse Tätigkeiten. Die Beziehung zwischen Mann und Frau wird als Azhu-Ehe bezeichnet. Azhu bedeutet Freund und Gefährte. Bei dieser Verbindung leben die Paare meist nicht zusammen. Ab dem Alter von 18 dürfen Naxi-Jugendliche freie AzhuVerhältnisse herstellen. Ein Junge und ein Mädchen, solange sie von unterschiedlicher Matrilinearität sind, können sich treffen. Als Zeichen, dass das Mädchen "vergeben" ist, stellt der Junge am Haus des Mädchens seine Schuhe ab. Hat die Zuneigungen zueinander tiefen Bestand, wird geheiratet. Da beide in ihren Abstammungsfamilien leben bleiben und arbeiten, geht der Mann nur nach der Abenddämmerung zu der Frau zum Übernachtung und kommt nächsten Morgen zu der Familie seiner Mutter zurück.
Ein typischer Vetreter dieser Lebensweise ist die Gruppe der Mosuo im Kreis Yongning der Provinz Yunnan. Offiziell als eine Untergruppe der Naxi-Nationalität gewertet, hahlten sich die Mosuo für eine eigenständige Ethnie. Ein Azhu- Verhältnis kann so mit einem oder einigen Jahren kurz sein oder auch Jahrzehnte dauern. Naxi-Jugendliche gehen meistens kurzfristige AzhuVerhältnisse ein. Mit dem zunehmenden Alter wird Azhu auch stabiler und längerfristiger, wobei temporäre Azhu nicht ausgeschlossen sind. Einige haben auch lebenslange Azhu. Die Kinder bekommen den Familiennamen der Mutter und werden durch den Onkel mütterlicher Seite - quasi als Vater - erzogen. Unabhängig von jeglichem Wirtschaftsverhältnis, sind Azhu-Verbindungen auch ziemlich leicht aufzulösen, wobei meistens die Frau das Vorrecht hat und das Verhältnis beenden kann, indem sie einfach die Klamotten des Mannes vor die Tür räumen. Darauf geht der Mann weg ohne Ärger oder Auseinandersetzung. An solchen Azhu-Ehen sind die einfachen Gefühle der Naxi-Vorfahren zu erkennen und diese leben weiterhin in dem gesellschaftlichen Gewebe der Naxi-Nationalität.
Anders als die scheinbar "leichtsinnige" Haltung über Eheschließung, legen die Naxi großen Wert auf die Mündigkeitszeremonie. Wenn das Kind 13 Jahre alt geworden ist, wird für es diese Zeremonie abgehalten: für Mädchen die Zeremonie der Rockbekleidung und für Jungen Hosenbekleidung, weil zuvor das Kind nur einen Leinenkittel trägt. Die Zeremonie findet im Zimmer der Mutter statt, welches das Hauptzimmer in dem Familienhof ist. In dem Hauptzimmer stehen zwei Pfeiler, der Mann-Pfeiler links und der Frau-Pfeiler rechts, die eigentlich aus dem selben Baumstamm gemacht sind.
Zu der Mündigkeitszeremonie eines Mädchens kommt die ganze Familie. Das Mädchen tritt auf Schweinspeck und ein Bambusgefäß voller Getreide und trägt in den Händen Ketten, Ohrringe, Leinengewebe, was für ein sorgloses, glückliches Leben und hohe Arbeitsfertigkeit steht. Die Zeremonie beginnt damit, daß die Großmutter den Rock bringt. Sie hängt den Rock kurz an dem Frauen-Pfeiler mit der Hindeutung, dass die Familie einen neuen Pfeiler bekommt, dann schmeißt sie ihn ein paar Mal gegen die Tür. Das beduetet, dass das Schmutzige und Böse weggeschmissen ist und dem Kind Glück gewünscht wird. Danach zieht die Mutter dem Mädchen den alten Leinenkittel ab und den neuen Rock und eine neue Bluse an. Ein Gürtel mit schönen Stickereien wird auch angeschnallt. Danach werden durch den Dongba (eine Art Schamene bzw. Ritualsprecher) Vorfahren und Gottheiten um Segen für das Mädchen angebedet und man legt einen Wollseil am Hals des Mädchens an. Nach der Zeremonie wird der Wollseil an den Holzstock auf dem Gottesaltar gebunden, also ist nach dem Naxi-Clauben das Leben des Kindes an Gottheiten gebunden. Das bekleidete Mädchen soll auch einen Hund füttern und dabei sagen: "Ein Hund lebt 60 Jahre, ein Mensch nur 13, du und ich tauschen mal, so lebe ich 100 Jahre".
Die Zeremonie zur Bekleidung eines Jungen ist auch sehr feierlich. Auch auf Schweinspeck und Getreidegefäß tretend, hat der Junge in den Händen Geld und Messer. Er soll keine Sorgen um Lebensunterhalt haben und mutig sein. Die Zeremonie wird von dem Onkel mütterlicher Seite geführt. Nach der Bekleidung bekommt der Junge Geschenke von Senioren und Verwandten. Dann macht er Kotau vor dem Altar für die Vorfahren und für den Gott des Kochofens und vor Eltern und Senioren. Nachfolgend hört er ruhig den Vorlesung über den Stammbaum der Familie zu und singt Glückwunschlieder.
Bei der Mündigkeitszeremonie darf der Dongba nicht fehlen. Die Religion der Naxi trägt Züge von Anmismus und Schamanismus, die gemäß Untersuchung schon knapp eintausend Jahre alt ist. Nach dem Glauben haben alle Lebewesen Seelen und sterben wird eine Seele nie. Dongba bedeutet auch "edler weiser Mann". Er ist zugleich Zauberer, Arzt, Gelehrter, Künstler und Handwerker und daher der wichtige Träger der Naxi-Kultur.
Die Dongba-Religion hat eine große Rolle gespielt in der Überlieferung der NaxiKultur. In Dongba-Schriften - fast eine Enzyklopädie über die altertümliche Gesellschaft der Naxi- sind das "Wesentliche" der Naxi-Kultur: Religion, Astronomie, Geographie, Geschichte, Medizin, Viehzucht, Familie, Gastronomie, Leben, Verhältnisse zwischen Nationalitäten und Sitten überliefert. Die Dongba-Schrift ist eine Bildsprache. Sie geht einer Überlieferung nach auf das 13. Jahrhundert zurück. Die Dongba-Schrift wurde nur von den Dongba als Erinnerungshilfe oder Vorlage bei ihren Ritualen benutzt. Sie besteht aus etwa 1400 Zeichen, von denen 90 % echte Piktogramme darstellen. Damit besitzt sie den höchsten Anteil an Piktogrammen in allen heute noch geschriebenen Schriften und wird häufig verallgemeinernd zur Hieroglyphen-Schrift erklärt. Sie ist trotz ihres manchmal naiven Erscheinungsbildes höchst komplex und nur sehr schwer erlernbar. Besonders ältere Texte stellen eher Erinnerungshilfen dar, die aus dem Kopf ergänzt werden müssen.
Mit einfachen Strichen werden Ereignisse, Sachen und Bedeutungen geschildert. Die Sätze sind deutungsvolle Bilder ohne feste Aussprache. Daher kann einer, auch wenn er Naxi-Sprache spricht und die Bildsprache kennt Dongbajing auch nicht verstehen. Nur Dongba, die von klein auf bei einem Meister gelernt haben, vermögen die Bilder vorzulesen. Nachdem es fast keine Schriftkundigen mehr gab, wurde das Dongba Research Institute gegründet. Dort und in einigen anderen universitären Einrichtungen hat man inzwischen damit begonnen, den gewaltigen überlieferten Schriften-Korpus zu bearbeiten.


























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