China Reisen » China Wissen > Bevölkerung > Minderheiten > Die Hezhe
Völker Chinas - die Hezhe
Früher zählte ein Hezhe sein Alter danach, wie viele Mal er Buckellachs gegessen hat.
Am unteren Lauf des Heilong Jiang (chinesisch: 黑龍江), Songhua Jiang (chinesisch: 松花江) und Wusuli-Jiang (chinesisch: 乌苏里江) - ein Nebenfluss des Amur - in Nordostchina lebt ein antikes Volk von Fischern und Jägern - die Hezhe-Nationalität. Es ist eine der Minderheiten mit den wenigsten Angehörigen. Das Wort Hezhe bedeutet "Mensch aus Ost" oder aber auch "am Fluss lebende Menschen". Heute leben etwa 4.000 Hezhe (chinesisch: 赫哲族) in den autonomen Gemeinden Aoqi, Jiejinkou, Sipai und Bacha in der nördöstlichen chinesischen Provinz Helongjiang, dort, wo es große Berge, dichte Wälder und reichliche Gewässer gibt. Von deren Fisch- und Wildreichtum leben die Hezhe.
Die zugleich idyllischen und tatsächlichen Lebensverhältnisse spiegeln sich in der Sprache des Volksmund wieder: "Ricken sind mit Knüppel zu fangen, Fische mit Suppenkelle und Fasane fliegen schon selber in den Kochtopf". Die Hezhe sind erfahren im Fischen mit einfachen Werkzeugen, wie dem Dreizack, dem Angelhacken und dem Netz. Bewundernswert ist die Fertigkeit von Hezhes, auf dem zugefrorenen Fluß Löcher zu brechen und dadurch zu angeln. Fisch ist unentbehrlich für Hezhes. Jeder Agehörige dieses Volksstamms, egal ob Mann oder Frau, alt oder jung, soll dies können und viel Spaß am Fischen haben. Im Frühling fangen die Hezhes alle Sorten von Fisch; im Sommer werden Netze und Werkzeuge gewartet; im Herbst ist die richtige Saison, Lachse, Störe und Hausen in großer Menge zu fangen; im Winter brechen die Hezhes den zugefrorenen Fluß und fischen mit großen Netzen.
In den alten Zeiten zählte ein Hezhe (chinesisch: 赫哲族) sein Alter danach, wie viele Mal er Buckellachs gegessen hat. Auch Kinderspiele sind ohne Fisch unmöglich. Die Hezhe-Kinder spielen gerne "Grasball mit Dreizack fangen", also eine Nachahmung des Fischfangs. Manchmal werden Besucher bei den Hezhes auf Aufrichtigkeit geprüft, indem der Hezhe-Gastgeber ein Stück Fleisch von einem rohen Fisch abschneidet und dem Besucher anbietet. Hat der Besucher das Fischfleisch direkt von der Messerspitze gegessen, so wird er gleich als wahrer Freund angesehen und mit aller Wärme empfangen.
Zur Würdigung von Verwandten, Freunden und Gästen wird rohes Fischfilet zubereitet, indem zuerst die zwei Fischhälften von der Gräte befreit, dann in miteinander verbundenen Streifen teilt, die von der Haut befreit in Filets fein geschnitten werden. Mit gebrühten Kartoffelstreifen, Grünbohnensprossen, Schnittlauch, Chiliöl, Essig und Salz zusammen gegessen, schmeckt der Fisch besonders frisch. Rohe Fischfilets sind Bestandteil der Gastronomien vieler FischerNationalitäten.
Traditionell ist die Hezhe-Kleidung mehrheitlich aus Fisch- oder Tierhaut gemacht. Es ist nicht einfach, Fischhaut für Kleidung zu bearbeiten. Die Fischhaut wird geschält, abgetrocknet, mehrmals mit Sonderwerkzeugen sanft geschlagen und gegerbt und dann mit Stoffen aus Blumen gefärbt. Nicht nur die Belagstoffe sondern auch Faden sind aus Fischhaut gemacht. Solche Fischhautkleider, fest gegen Kälte, Verschleiß und Wasser und sind gefragte Souvenirartikeln für Touristen geworden.
Wie Fisch und Wasser ist auch das Boot unentbehrlich für das Leben der Hezhes, zugleich notwendig für Arbeit und Transport. Recht eigenartig sind diese Boote, die die Hezhes aus Birkenrinden bauen. Es gibt Schnellboote und Lastboote. Ein Schnellboot ist leicht und kann einzelhändig von einem Fluß zu dem anderen getragen werden. Wie ein Kanu ist so ein Boot zwar schnell und geeignet zum Fischen, kann aber nicht mehr als ein oder zwei Personen befördern. Lastboote, die es seit dem 17. Jahrhundert bei den Hezhes gibt, können vielmehr verkraften. Solch ein Lastboot aus Holz mit einem Rumpfbelag aus Birkenrinde ist leicht und schnell und für Langstreckentransporte geeignet. In ihnen haben bis zu 15 Personen Platz.
Die Region, in der die Hezhes leben, ist geprägt von langen Wintern und viel Schnee. Dann benutzen die Hezhes Hundschlitten für Verkehr und Transport. Die Hunde tragen spezielle "Schuhe" als Schutz. Bei der Belastbarkeit von etwa 35 bis 40kg je Hund kann ein Schliitten bis zu 500kg befördern. Hundschlitten, die täglich 100 bis 200km fahren können und als Verkehrsmittel im Winter Hezhes gut dienen, sind heutzutage eine neue touristische Attraktion.
Die Hezhes lieben Musik und Gesang. Die Lieder handeln von der Schönheit alter Zeiten und der Hoffnung auf eine gute Zukunft.


























Mit unserer interaktiven 
