China Reisen » China Wissen > Bevölkerung > Minderheiten > Die Gaoshan
Die Gaoshan
Gaoshan-Frauen sind geschickt im Weben und Färben von Leinentextilien.
Gaoshan (chinesisch: 高山族) ist der Oberbegriff für alle Einheimischen in Taiwan, die sich je nach Siedlungsgebieten und Sprachen Amei, Taiya, Bunong, Lukai und Yamei nennen. Sie leben hauptsächlich im Osten von Taiwan (chinesisch: 台湾) und auf einigen Inseln entlang der Ostküste Chinas. Verstreut leben manche (nun etwa 4.000) auch in der Provinz Fujian (chinesisch: 福建省) des chinesischen Festlandes.
Auffällig ist die Tracht der Gaoshan-Kultur. Im Altertum war der nackte Körper der Gaoshan als Schönheitsideal angesehen. Im Alltag trugen Frauen ein Stück Tuch oder einen Strohrock an der Taille und Männer Fell. Neben Tätowierungen auf dem Gesicht und Körper trugen Männer auch gerne Straußkränze und Frauen Blumen, Perlen, Muschelschalen und Halsketten.
Bekleidung als Kunst der Gaoshan zeigt das Kleid mit Muschelschalenkügelchen. Für diese traditionelle Bekleidung werden Muschelschalen zu kleinen gelöcherten Kügelchen geschliffen, die dann durch Leinenfäden verbunden waagerecht auf dem Kleid angebracht werden. So ein Kleid, dessen Fertigung viel Zeit und Arbeit benötigt, hat etwa 50.000-60.000 Kügelchen. Je mehr desto mehr Macht und Wohlstand hat ein Stammeshäuptling.
Heute kann man alte Muschelschalenbekleidung im Museum der Nationalitäten der Zentralen Universität für Nationale Minderheiten und im Museum der Anthropologie der Xiamen Universität besichtigen.
Gaoshan-Frauen sind geschickt im Weben und Färben von Leinentextilien. Sie sticken gerne Verzierungen an dem Rand des vorderen Teils des Kleides, den Ärmel, den Schal und an die Schürze und schleifen Muschelschalen oder Tierknochen zu Schmuckstücken. Aus dem traditionellen Trachtenstil entwickelt, werden Gaoshan-Kleider weiterhin feiner geschnitten, mit verschiedenen Kombinationen von Schwarz, Weiß, Rot, Gelb und Grün vervielfältigt und durch Stickerei, Mischweberei, Schmuckstücke und Kügelchen verziert.
Im heutigen Taiwan tragen Gaoshan-Menschen einheimische Trachten nur zu Festlichkeiten.
Neben dem Textilgewerbe lieben die Gaoshan auch die althergebrachte Tanzkunst, die sich auf Fischen, Jagd, Jäten, Ernte, Liebeskummer, Heirat oder Andenken an Vorfahren bezieht.
In Gruppen führen Gaoshan heute hauptsächlich drei Tanztypen auf: Andenkenstanz, Weintanz und Nachahmungstanz.
Andenkenstänze werden von einem Stamm oder einer Geschlechtgruppe mit bis zu Hunderten von Menschen auf einem Versammlungsplatz aufgeführt. Weintänze werden für beliebige Veranstaltungen im Hof improvisiert. Einige Tänzer können tiefe Gefühle vermitteln.
Nachahmungstänze sind groß angelegte, auf das Leben bezogene Massenaufführungen. Kaum durch Musik begleitet, werden Gaoshan- Tänze meistens auf den Klang eines Schlaginstrumentes angefangen bzw. beendet und von Geschrei rhythmisiert. Auf Glockenschläge bewegt sich die Tänzergruppe gemeinsam mit Gesang und plötzlichem Geschrei oder Fußstampfen, was eine natürliche, hemmungslose Stimmung verbreitet.
Der Haarschwingungstanz ist eine einmalige Kunst der Yamei-Frauen, die auf der Lanyu-Insel leben. Man behauptet, dass das tropische und sonnige Inselklima den Yamei-Mädchen einen besonders gesunden und schönen Körperbau gibt. Sie haben alle hübsche, lange Haare und gehen gern barfuß. In der Vergangenheit tanzten Yamei-Frauen am Tag nicht und meistens nur in der Nacht mit hellem Mond. Dann kamen sie auf den Strand und tanzen "Haarschwingung" auf Kiesel. Eine unbestimmte Anzahl von Yamei-Mädchen reihte sich aneinander und sie lösten ihre Haare auf. während sie mit leichten Schwingungen zu tanzen und zu singen begannen, gaben die Kiesel am Strand auch poetische Begleitgeräusche. Arm in Arm, beugen sie sich schrittweise, so dass die Haare nach vorne runter fallen. Kommen die Haare in Berührung mit dem Boden, warfen sie den Kopf zurück, so dass die Haare in Hohem Bogen zurrückfliegen. So ein Haarschwingungstanz dauert solange, bis die Tänzerinnen erschöpft sind. Gegen die Strapazen im Leben auf der Insel haben die Yamei-Frauen diesen Tanz als Vergenügen und Trost entwickelt, der Jugend und Freude am Leben ausstrahlt.
Den Gaoshan sagt man auch nach viel und gern zu feiern. Bei Hochzeit, Kindesgeburt, Hausbauen, Festlichkeiten, Säen und Ernte, Fischen, Jagd und Andenkenszeremonie wird feierlich getrunken.
Am Augusttag des Vollmondes findet die Erntenfeier statt. Alle kommen mit gutem Wein, Köstlichkeiten und Reisrollen zu einer richtigen Orgie mit Tanz und Gesang zusammen.
Zum Trinken benutzen Gaoshan traditionellerweise Kürbisflaschen, Bambuskrüge, Holzlöffeln, Holztassen, Tongefäße und Tontassen. Eine Besonderheit sind die zweifachen oder dreifach verbundenen Tassen, aus denen zwei oder drei Personen gleichzeitig trinken können. Achteckig oder viereckig, haben diese verbundenen Tassen Griffe an den beiden Enden. An den Griffen und den Bindeteilen der Tassen sind Figuren wie Menschen, Schlangen, Hirsche oder geometrische Formen geschnitzt.
Am Häufigsten werden zweifach verbundene Tassen benutzt, besonders zur Gastbewirtung oder Hochzeitsfeier. Beim Trinken reihen sich zwei Personen je mit einem Griff in der rechten bzw. linken Hand und neigen sie gleichzeitig die Tassen. Trinken aus den verbundenen Tassen vermittelt Freundschaft, Gemeinschaft und Frieden. Nicht nur Braut und Bräutigam (so genanntes Trinken aus dem verbundenem Glück) sondern auch Freunde und Verwandten trinken aus verbundenen Tassen. Es bedeutet auf Gleichheit und Zusammenarbeit anzustoßen.

























Mit unserer interaktiven 
