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Der Brautraub bei den Yi
Von den 56 Nationalitäten Chinas sind die Yi eine der größten Völker und am weitesten verbreitet.
Das Hauptwohngebiet der Yi (chinesisch: 彝族) ist Liangshan (chinesisch: 涼山彝族自治州) in der Provinz Sichuan (chinesisch: 四川) und Chuxiong (chinesisch: 楚雄彝族自治州) und Honghe (chinesisch: 红河哈尼族彝族自治州) in der Provinz Yunnan (chinesisch: 云南).
Bei den Yi gibt es unterschiedliche Heiratsbräuche, doch das Grundmuster ist überall ziemlich gleich: man lernt sich kennen, sucht einen Brautwerber auf, verlobt sich und heiratet schließlich.
Die Yi heiraten meist erst im Alter von 17 Jahren oder später. Bei der Hochzeit muß das Alter des Bräutigams eine gerade Zahl haben, das der Braut jedoch eine ungerade. Die beliebteste Zeit für eine Eheschließung ist Herbst oder Winter, wenn die Feldarbeit getan und die Ernte eingebracht ist, wenn die Lämmer geschlachtet wurden und die Wildgänse nach Süden gezogen sind; oder aber zum chinesischen Neujahrsfest. Vor der Eheschließung darf die Braut einen oder mehrere Tage nichts zu sich nehmen, und am Tag vor der Hochzeit nichts trinken, damit sie auf dem Weg zum Elternhaus des Bräutigams nicht etwa austreten muß. Bevor der junge Mann heiraten kann, muß die Familie der Braut zwei Heiratsvermittler (meist Vettern des Bräutigams) mit Schnaps zur Schwiegerfamilie schicken, als Zeichen, daß die Hochzeit wie vereinbart stattfinden wird. Wenn die Braut in das Dorf des Bräutigams kommt, geht sie zunächst in eine aus Bambus und Kieferzweigen errichtete Hütte. Dies hat symbolische Bedeutung: die Brautleute sollen genau
wie Bambus ewig jung sein und wie die Kiefer ein langes, treues Leben miteinander verbringen. Wenn die Sterne hervorkommen, betritt die Braut das Haus des Bräutigams und ißt gemeinsam mit seinen Schwestern ihre erste Mahlzeit. Am Tag darauf kehrt die Braut in ihr Elternhaus zurück. Wieder zwei Tage später kommt der Bräutigam mit anderen jungen Männern in das Haus der Braut. Sie bringen Fleisch, alkoholische Getränke, ein Schwein und ein Schaf mit. Anschließend bringt er die Braut zurück in das Haus seiner Familie. Und nun leben sie als Ehepaar zusammen.
Die Yi glauben, daß reines Wasser Teufel austreiben kann, das Böse vertreibt und Glück bringt. Deshalb muß die Braut mit klarem Wasser besprengt werden Der „Brautraub" ist ebenfalls ein beliebter Brauch. Im Süden der Provinz Yunnan werden Zeitpunkt und Ort des „Brautraubs" im Voraus verabredet. Die Braut wird abgefangen und ins Haus des Bräutigams entführt. Ist sie erst im Wohnraum der Schwiegereltern, kann sie das Haus nicht mehr verlassen - sie gilt als verheiratet. Diese Bräuche werden heutzutage zwar noch ausgeführt, doch sind sie eigentlich mehr eine Gaudi für alle Beteiligten, denn die jungen Leute haben sich schon längst gefunden.


























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